Samsung verkaufte Fernseher in Kartons mit Fotos von Dua Lipa – und ignorierte ihre Aufforderung, damit aufzuhören
Ein Foto hinter den Kulissen des Austin City Limits-Festivals wurde ohne Wissen der Künstlerin zu einer massiven Werbekampagne. Samsung erhielt eine Aufforderung, die Kampagne zu beenden — und lehnte ab. Nun wird der Fall vor Bundesgericht verhandelt.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
11. Mai 2026 · 3 Min. Lesezeit
Im Juni 2025 entdeckte Dua Lipa ihr Foto auf Kartons von Samsung-Fernsehern, die in Einzelhandelsgeschäften in ganz Amerika verkauft wurden. Sie forderte die Einstellung der Bildnutzung. Samsung lehnte ab. Am 9. Mai 2026 wurde eine Klage über mindestens 15 Millionen Dollar beim Bundesgericht des Central District of California eingereicht.
Das Foto, das die Künstlerin für ihr Eigentum hält
Das Bild mit dem Titel «Dua Lipa – Backstage at Austin City Limits, 2024» wurde hinter den Kulissen des Festivals vor ihrem Auftritt im Oktober 2024 aufgenommen. Nach Angaben der Klage gehören die Urheberrechte an dem Foto Lipa selbst — nicht den Festivalorganisatoren, nicht dem Fotografen aufgrund eines separaten Vertrags, sondern direkt der Künstlerin. Samsung platzierte das Bild auf der Vorderseite von Fernseherkisten verschiedener Größen und vertrieb es massiv in den USA.
Die Klage enthält drei separate rechtliche Ansprüche: Urheberrechtsverletzung, Markenrechtsverletzung und Verletzung des Persönlichkeitsrechts — eine Regelung des kalifornischen Rechts, die den kommerziellen Wert des persönlichen Bildes einer Person schützt.
Samsungs Reaktion – und warum sie zum Schlüsselargument wurde
Lipas Anwälte schickten Samsung eine Forderung, die Bildnutzung ab Juni 2025 einzustellen. Die Klage beschreibt die Antwort des Unternehmens als «geringschätzig und herzlos» — und verweist darauf, dass Kisten mit dem Foto immer noch auf dem Markt vorhanden sind. Genau dieses Detail verändert das rechtliche Gewicht der Angelegenheit: Die Fortsetzung der Verletzung nach Erhalt einer offiziellen Forderung reclassifiziert Samsungs Handlungen als vorsätzliche Verletzung, was den Weg zu Strafschadensersatz über die geltend gemachten 15 Millionen Dollar öffnet.
«Samsung hat eine riesige Menge an Fernsehern in Kisten mit dem Bild von DL hergestellt, verteilt und verkauft. Dies ist eine vorsätzliche Verletzung der Urheberrechte und der Marke».
Aus dem Text der Klage, zitiert nach Rolling Stone
Käufer, die von der Schachtel überzeugt wurden
Ungewöhnlicherweise enthält die Klage Sozialnachweise — Screenshots von Benutzerkommentaren auf X und Instagram, die Lipas Anwälte als Nachweis der tatsächlichen kommerziellen Wirkung der Nutzung ihres Bildes eingereicht haben. Ein Kommentar lautet: «Ich hatte gar nicht geplant, einen Fernseher zu kaufen, aber als ich die Schachtel sah, beschloss ich, einen zu nehmen». Ein anderer: «Ich kaufe ihn einfach, weil Dua darauf ist». Das Netz nannte das Produkt «the Dua Lipa TV Box» — und dieser Ausdruck figuriert nun in einem Bundesfall.
Der Preis der Marke
Die Klage hebt separat hervor: Lipa ist eine Künstlerin, die ihre Partner sorgfältig auswählt. Zu den bestätigten Vereinbarungen gehören Porsche, Apple, Chanel, Tiffany & Co., Bulgari, Nespresso und die Winterolympischen Spiele 2026. Samsung ist nicht auf dieser Liste und war es nie. Genau wegen dieser Selektivität argumentieren die Anwälte: Die nicht autorisierte Nutzung verletzt nicht nur Rechte — sie schadet dem strategisch aufgebauten Image, indem sie Premium-Partner durch Massenelektronik ohne ihre Zustimmung ersetzt.
- Klagesumme: mindestens 15 Millionen Dollar + Strafschadensersatz + Gerichtskosten
- Gericht: US District Court for the Central District of California
- Einreichungsdatum: 9. Mai 2026
- Status der Kisten: zum Zeitpunkt der Klageeinreichung noch im Verkauf
Der Fall wird Präzedenzwirkung haben, wenn das Gericht Sozialkommentare als ausreichenden Nachweis kommerzieller Schäden durch die nicht autorisierte Nutzung eines Bildes anerkennt — dann erhalten Marken das Signal: Ein viraler Effekt durch das fremde Gesicht auf der Verpackung könnte teurer sein als eine Lizenzvereinbarung. Wenn Samsung hingegen beweist, dass das Foto durch einen Fehler in der Lieferkette auf die Verpackung gelangte und nicht aufgrund einer bewussten Marketingentscheidung — dann ändert sich das Bild grundlegend.