Leiter der Staatlichen Finanzkontrollbehörde nahm sich die Akte mit – NABU kam bereits in sein Büro
# Durchsuchungen im Finanzüberwachungsdienst am 10. Juni sind kein Anfang, sondern eine neue Runde: NABU zieht die Schlinge allmählich um Filippo Pronin zu, der von der Poltawa-Gebietsverwaltung zur staatlichen Finanzdienstleistung wechselte, aber seinen ersten Stellvertreter mitnahm und offenbar auch alte Machenschaften beibehielt.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
10. Juni 2026 · 2 Min. Lesezeit
Als das NABU am 10. Juni zu Durchsuchungen beim Staatsdienst für Finanzüberwachung kam, sah dies wie eine routinemäßige Ermittlungsmaßnahme aus. Doch die Chronologie des Falls verwandelt sie in etwas anderes: Die Ermittler des Büros sind bereits bis zu dem Amt vorgedrungen, das in der Ukraine für die Aufdeckung verdächtiger Finanzoperationen zuständig ist.
200 Millionen für Befestigungsanlagen – und das Team zog mit dem Chef um
Der Fall beginnt 2024, als die Poltava-Regionalverwaltung unter der Leitung von Filipp Pronin Befestigungsanlagen in der Region Donezk baute. Nach Angaben des Abgeordneten Jaroslav Schiselnjak, der als erster öffentlich von Missbrauch berichtete, überstiegen die tatsächlichen Kosten die echten Arbeitskosten um mindestens 200 Millionen Hryvnias. Der Auftragnehmer war LLC „Enki Construction".
Bemerkenswert ist jedoch etwas anderes: Als Pronin seinen Posten als Leiter der Regionalverwaltung aufgab und die Leitung des Staatlichen Finanzüberwachungsdienstes übernahm, zog sein erster Stellvertreter in Poltava – Bogdan Korolchuk – mit ihm um und übernahm die Position des ersten Stellvertreters in der neuen Behörde. Beide sind Gegenstand der NABU-Ermittlungen.
Die Schlinge zieht sich allmählich zu
Die Chronologie zeigt Systematik statt chaotischer Durchsuchungen:
- September 2025: Das NABU eröffnete Verfahren Nr. 52025000000000498 und vereinigte es mit einem zuvor „verborgenen" Fall des Sicherheitsdienstes in der Region Poltava, der wegen faktischer Sabotage der Ermittlungen kritisiert wurde.
- Oktober 2025: Durchsuchungen bei Korolchuk, dem Auftragnehmer „Enki Construction" und Beamten der Poltava-Regionalverwaltung. Nach Angaben von Schiselnjak würdigten die Ermittlungsmaßnahmen „neue Horizonte nicht nur hinsichtlich Missbrauchs bei Befestigungen, sondern auch anderer Verbrechen".
- November 2025: Der Direktor des NABU Semjon Krivonos erklärte öffentlich, dass der Staatsdienst für Finanzüberwachung nicht bei Ermittlungen zur Korruption im Verteidigungsbereich hilft – und bezeichnete die Behörde faktisch als Hindernis statt als Verbündeten.
- Dezember 2025 – Anfang 2026: Das NABU erhielt Zugang zu Bankgeheimnissen – Kontoauszügen, Schecks und Rechnungen der Beteiligten des Falls.
- Juni 2026: Durchsuchungen direkt im Büro des Staatlichen Finanzüberwachungsdienstes.
Das Paradoxon der Behörde
Der Staatsdienst für Finanzüberwachung ist eine Dienststelle, die verpflichtet ist, verdächtige Finanzströme aufzudecken und Daten darüber an die Strafverfolgungsbehörden weiterzuleiten. Dass das NABU in diesem Amt im Rahmen eines Falls über die Unterschlagung von Verteidigungsmitteln Durchsuchungen durchführen muss, ist ein institutioneller Konflikt, der weit über ein einzelnes Strafverfahren hinausgeht.
„Der Staatsdienst für Finanzüberwachung hat Ermittlungen zu mutmaßlicher Korruption im Verteidigungsbereich nicht unterstützt".
Semjon Krivonos, Direktor des NABU, – in einem Kommentar zu Radio Svoboda, November 2025
Journalisten dokumentierten separat, dass Pronin 2025 über 70 Tage im Ausland in Dienstreisen verbrachte, während Eliteimmobilien auf Verwandte registriert waren. Pronin selbst wies alle Vorwürfe zurück.
Derzeit hat das NABU mehrere Verfahren in einem vereinigt und ermittelt den Kreis der Beteiligten. Verdächtigungen gegen Pronin wurden öffentlich nicht bekannt gegeben – zumindest zum Zeitpunkt der letzten verfügbaren Daten.
Die Schlüsselfrage ist jetzt nicht, ob der Fall vor Gericht kommt – sondern ob Pronin auf seinem Posten als Leiter des Staatlichen Finanzüberwachungsdienstes bleibt, bis das NABU Verdächtigungen erklärt: Der Präzedenzfall früherer Korruptionsfälle zeigt, dass Rücktritte in der Regel offiziellen Anschuldigungen vorausgehen.
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