GoPro ist nicht mehr nur Action-Kamera: Mission 1 Pro ILS — erste „Action-Cam" mit Micro-Four-Thirds-Bajonett
Die Mission 1 Serie ist kein Hero-Update, sondern GoPros Versuch, in den Markt für kompakte Filmkameras einzusteigen. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Mission 1 Pro ILS mit Unterstützung für beliebige MFT-Objektive und HyperSmooth in einem echten Spiegellosen Gehäuse.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
15. April 2026 · 2 Min. Lesezeit
Am 14. April 2026 kündigte GoPro die Mission 1 Serie an — drei Modelle mit einem 1-Zoll-50-MP-Sensor und dem neuen 5-nm-Prozessor GP3. Doch wer zwischen den Zeilen der Pressemitteilung liest, erkennt die eigentliche Neuigkeit: nicht in den Megapixeln.
Was wirklich passiert: GoPro wechselt die Kategorie
Zehn Jahre lang verkaufte GoPro eine einzige Idee — fester Winkel, maximale Robustheit, minimale Einstellungen. Die Mission 1 Pro ILS bricht diese Logik auf: Die Kamera erhielt ein Micro Four Thirds-Bajonett und ist mit jedem reflexartigen MFT-Objektiv kompatibel. Wie Engadget vermerkt, ist dies die erste Action-Kamera mit MFT-Bajonett, und die HyperSmooth-Stabilisierung funktioniert mit jedem Prime-Objektiv ohne Fischauge.
Dies ist keine kosmetische Änderung. MFT ist ein ausgereiftes Ökosystem mit hunderten Objektiven von Panasonic, Olympus, Sigma und Voigtländer. Wer bereits auf einer Panasonic G9 oder OM System dreht, kann einfach sein Teleobjektiv auf die GoPro setzen und zum Snowboarden gehen.
Drei Modelle — drei Zielgruppen
- Mission 1 — Basis-Variante: 8K/30, 4K Open Gate/120, 1080p/240. Preis noch nicht bekannt gegeben.
- Mission 1 Pro — Flaggschiff: 8K/60, 4K/240, Ultra-Zeitlupe 1080p/960. Festobjektiv.
- Mission 1 Pro ILS — Mirrorless-Version mit MFT-Bajonett, gleicher Sensor und GP3. Verfügbar ab Q3 2026.
Alle drei verfügen über ein Vier-Mikrofon-System mit 32-Bit-Float-Aufnahme und Unterstützung für ein kabelloses Mikrofon über das neue Wireless Mic System — eine direkte Antwort auf das DJI Mic Mini.
Wo der Haken sitzt
GoPro warnt Investoren in der Pressemitteilung direkt: Der Erfolg hängt von der «Verbrauchernachfrage und Akzeptanz eines neuen Premium-Produkts» ab — eine Formulierung, die üblicherweise auftaucht, wenn ein Unternehmen sich über sein Publikum nicht sicher ist. Die Preise für die Pro ILS wurden nicht einmal annähernd genannt, und die Verfügbarkeit wurde auf Q3 2026 verschoben.
«The combination of our new 50 megapixel one-inch sensor and ultra-efficient GP3 processor sets a new performance bar»
— GoPro, offizielle Pressemitteilung
Die Konkurrenten ruhen nicht: Die DJI Osmo Action 5 Pro und die Insta360 Ace Pro 2 haben bereits 1-Zoll-Sensoren und aggressive Preisgestaltung. GoPro betritt das Premium-Segment genau dann, wenn dort bereits Akteure mit größeren Ressourcen tätig sind als ein Unternehmen, das in den letzten Jahren mit Verlusten bilanziert.
Was bedeutet das praktisch
Für Amateure ist der Unterschied zwischen Mission 1 und Hero eine Frage des Budgets. Für ernsthaft tätige Kameramänner ist die Mission 1 Pro ILS potenziell ein interessantes Werkzeug: robustes Gehäuse, Stabilisierung, 8K und die Möglichkeit, das liebste Objektiv anzubringen. Die Frage ist, ob der Preis gegen gebrauchte Blackmagic Pocket oder Sony ZV-E10 mit demselben MFT-Bajonett konkurrieren kann.
Wenn GoPro die Mission 1 Pro ILS für über $800 ansetzt — wird sie nicht mit Action-Kameras konkurrieren, sondern mit vollwertigen Filmkameras, wo ihre Marke nicht das gleiche Gewicht hat wie an den Berghängen.