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Kioxia wird im April–Juni mehr verdienen als im gesamten vergangenen Jahr – und das ist nur ein Nebeneffekt des KI-Booms

Der japanische NAND-Speicherhersteller prognostiziert eine 48-fache Steigerung des Nettogewinns für das Quartal. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein Technologiewettrennen, in dem Kioxia gerade dabei ist, seinen Rückstand aufzuholen.

Tetiana Suchkova-Ladik

Von Tetiana Suchkova-Ladik

15. Mai 2026 · 2 Min. Lesezeit

Kioxia wird im April–Juni mehr verdienen als im gesamten vergangenen Jahr – und das ist nur ein Nebeneffekt des KI-Booms
Фото: Kioxia

Im April–Juni 2026 erwartet das japanische Unternehmen Kioxia Holdings einen Nettogewinn von 869 Milliarden Yen – etwa 5,6 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor verdiente das Unternehmen im gleichen Quartal 18,27 Milliarden Yen (118 Millionen US-Dollar). Der Betriebsgewinn soll Prognosen zufolge um das 29-Fache auf 1,29 Billionen Yen (8,3 Milliarden US-Dollar) ansteigen.

Um jedoch zu verstehen, was wirklich vor sich geht, lohnt sich ein Blick nicht nach vorne, sondern zurück – auf den Herbst 2025.

Ein Unternehmen, das gerade die Krise verließ

Im November 2025 meldete Kioxia einen Gewinnrückgang von 62% im Jahresvergleich – und Analysten registrierten dies als Zyklustief. Das Quartalsergebnis erreichte damals nicht einmal die Konsenssprognose von 47,4 Milliarden Yen. Der Grund war ein ungünstiger Produktmix: Die saisonale Nachfrage nach Smartphones trieb das Unternehmen in das Segment mit niedriger Marge, während Rechenzentren bereits auf Enterprise-Speicher umstellten.

Die Wende kam nicht durch Glück, sondern durch eine technologische Wette. Laut TrendForce erzielte Kioxia im dritten Quartal 2025 das stärkste vierteljährliche Wachstum unter allen NAND-Herstellern – plus 33,1% – und überholte Micron erstmals beim Marktanteil, um den dritten Platz mit 15,3% zu sichern.

Was sich geändert hat: BiCS8 und die Wette auf AI-Server

Der Schlüsseltreiber ist die großflächige Umstellung auf die BiCS8-Technologie (218-schichtige 3D-NAND) und das wachsende Angebot von Enterprise-SSDs für AI-Server. Gerade dieses Segment, nicht Smartphones, bestimmt die Gewinnmargen im aktuellen Zyklus.

„Die NAND-Flash-Preise werden im ersten Quartal 2026 um 85–90% im vierteljährlichen Vergleich steigen"

TrendForce, Dezember 2025

Der Grund ist strukturell: Während Hersteller ihre Fertigungslinien auf QLC-Speicher mit 122–245 TB Kapazität für AI-Infrastruktur ausrichten, schrumpft das Angebot an Consumer-Memory. Die Nachfrage übersteigt das Angebot – und genau in diesem Fenster fixiert Kioxia seine Rekordprognosen.

Die nächste Wette – HBM ersetzen

Parallel bereitet das Unternehmen einen technologischen Sprung vor, der die Architektur von AI-Servern selbst verändern könnte. Nach Angaben von TrendForce entwickelt Kioxia in Partnerschaft mit NVIDIA SSD-Speicher, die sich direkt an die GPU anschließen und teilweise HBM (High Bandwidth Memory) ersetzen. Der Start ist für 2027 geplant; die Leseleistung ist 100-mal höher als bei aktuellen Modellen.

Dies ist nicht einfach eine Produktneuerung: Falls die Technologie funktioniert, betritt Kioxia ein Feld, das derzeit SK Hynix mit seiner HBM3E monopolisiert. Gleichzeitig hat SanDisk – ehemaliger Partner und jetziger Konkurrent – bereits mit SK Hynix eine gemeinsame Entwicklung einer Alternative zu HBF (High Bandwidth Flash) vereinbart. Das Rennen läuft auf mehreren Fronten gleichzeitig.

TrendForce prognostiziert, dass sich der NAND-Mangel bis 2026 verschärfen wird: Das Kapazitätswachstum der Nachfrage wird im hohen Zehnbereich Prozent liegen, während die Lieferangebotsengpässe hart sind.

Die Frage ist nicht, ob Kioxia seine Prognose für April–Juni 2026 erfüllt – die Marktlage spricht derzeit für das Unternehmen. Die Frage ist, ob das Unternehmen den technologischen Zyklus monetarisieren kann, bevor Samsung und SK Hynix ihre eigenen QLC-Linien hochfahren und die Preiskonkurrenz ab der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder anheizen.

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