Demobilisierung der Reihe nach: Gnatow erklärt, warum die Entlassung aus der Armee von der Zahl der Einberufenen abhängt
Der Chef des Generalstabs weigerte sich, konkrete Zusagen zur Demobilisierung zu machen – nicht aus Unwilligkeit, sondern wegen der Mathematik: So viele Menschen wie Ersatz kommen, so viele können gehen. Neue Verträge mit garantiertem Ablaufdatum sind ein erster Versuch, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
10. Juni 2026 · 2 Min. Lesezeit
Der Generalstabschef der Streitkräfte der Ukraine Andrij Hnatow gab dem Portal LIGA.net ein ausführliches Interview, in dem er erstmals so offen die Logik der Demobilisierung darlegte: Sie ist nicht politisch blockiert — sie ist arithmetisch blockiert.
«Über Demobilisierung sollte man jetzt nicht im Detail sprechen, um die Menschen nicht zu täuschen und keine falschen Erwartungen zu schaffen».
Andrij Hnatow, Generalstabschef der Streitkräfte der Ukraine
Der Kern der Position ist einfach: Solange das Rekrutierungstempo es nicht ermöglicht, diejenigen zu ersetzen, die bereits dienen, würde eine Massenentlassung entweder zur Räumung von Positionen oder zum Zusammenbruch des Kampfkerns führen. Der Generalstab bestreitet nicht die Notwendigkeit der Demobilisierung — er behauptet, dass er die Fristen nicht ehrlich nennen kann.
Was bereits als Lösung vorbereitet wird
Parallel dazu finalisieren das Verteidigungsministerium und der Generalstab neue Verträge für Militärangehörige. Nach Angaben der Ukrainska Prawda werden die Verträge in drei Arten mit klar definierten Dienstzeiten vorliegen — 10 Monate für aktive Kämpfer in Kampfpositionen und 14 Monate für Neulinge. Grundsätzlich neu: Das Dokument enthält garantierte Demobilisierung und eine Verzögerung bis zur nächsten Mobilisierungswelle nach Vertragsende.
Das ist nicht dasselbe wie die Demobilisierung für diejenigen, die seit 2022 ohne Vertrag dienen, aber es ist der erste institutionelle Versuch, das Dienstende rechtlich vorhersehbar zu machen und nicht von der Entscheidung des Kommandanten oder der Frontlage abhängig zu machen.
Warum «nach einem Waffenstillstand» — auch keine Antwort
General Oleksandr Pivnenko von der Nationalgarde warnte früher: Man sollte nicht mit einer Demobilisierung unmittelbar nach dem Ende der Kampfhandlungen rechnen. Die Logik ist dieselbe — die Armee kann nicht gleichzeitig eine große Anzahl von Menschen entlassen, ohne eine ausgebildete Reserve zur Verfügung zu haben. Hnatow betonte Berichten von NV zufolge bereits in früheren Interviews, dass eine Rotation an der Front «verfrüht» zu diskutieren sei, solange die Initiative beim Gegner liegt.
Das heißt, selbst ein hypothetischer Waffenstillstand schaltet nicht automatisch einen Entlassungsmechanismus ein — er beseitigt lediglich einen der blockierenden Faktoren.
- Was für die Demobilisierung erforderlich ist: ein ausreichendes Rekrutierungstempo, um Kämpfer an den Positionen zu ersetzen
- Was es jetzt gibt: Ideen und mehrere Lösungsvarianten — ohne öffentliche Details
- Was durch neue Verträge entsteht: ein rechtlich festgestelltes Dienstende, aber nur für diejenigen, die das neue Dokument unterzeichnen
Die offene Frage hier betrifft nicht den guten Willen des Generalstabs, sondern eine konkrete Zahl: Wenn das monatliche Rekrutierungstempo das Niveau erreicht, das für die Rotation der Kampfeinheiten ausreicht, wird dann ein öffentlicher Demobilisierungsplan veröffentlicht — oder wird sich wieder herausstellen, dass es noch einen weiteren «schwierigen» Faktor gibt, der früher nicht genannt wurde?