Registrator ohne Haus und Genehmigungen: Wie ein Stadtratbeamter versuchte, Grund des Rüstungsbetriebs durch gefälschte Technische Pässe abzutrennen
Im Februar 2022 beurkundete der Leiter einer Registrierungsstelle einer Stadtverwaltung in der Region Ternopil das Eigentumsrecht an nicht existierenden Bauobjekten – dadurch hätte Land eines staatlichen Rüstungsunternehmens im Wert von 15,7 Millionen Hrywnja fast in private Strukturen übergehen können. Die Ermittlungen dauerten Jahre an, und das Schema erwies sich als einfach: gefälschte Dokumente plus eine Unterschrift des Registrars.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
25. Mai 2026 · 2 Min. Lesezeit
Als Russland im Februar 2022 die vollständige Invasion begann, unterzeichnete der Leiter der Registrierungsabteilung eines Stadtrats in der Region Ternopil ganz andere Papiere. Nach Ermittlungen registrierte er genau zu dieser Zeit das Eigentumsrecht an mehreren „unvollendeten Bauobjekten" — die physisch gar nicht existierten — auf Grundstücken eines staatlichen Rüstungsunternehmens.
Häuser auf dem Papier, Land in der Realität
Das vom Ermittler aufgedeckte Schema ist technisch einfach, aber effektiv. Grundlage für die Registrierungsmaßnahmen waren gefälschte Dokumente: technische Pässe, Kooperationsverträge und Bescheinigungen über die Adressvergabe, die tatsächlich nie ausgestellt wurden. Der Registrator überprüfte weder das Vorhandensein einer Baugenehmigung noch die Rechte an dem Grundstück.
Als die Ermittler vor Ort waren, gab es keinerlei Bauobjekte. Leere Grundstücke. Aber das Eigentumsrecht an den „Gebäuden" war bereits auf private Strukturen registriert — und damit öffnete sich der Weg zu Ansprüchen auch auf das Land selbst.
„Der Registrator überprüfte die eingereichten Dokumente nicht ordnungsgemäß und stellte das Fehlen einer Baugenehmigung und von Landrechten nicht fest"
— Büro des Generalstaatsanwalts der Ukraine
Nach unabhängigen Sachverständigengutachten beträgt der Marktwert der Grundstücke, die unter die Kontrolle privater Firmen hätten übergehen sollen, über 15,7 Millionen Hrywnja.
Warum dies keine gewöhnliche Korruption ist
Der Schlüsselkontext ist der Status des Unternehmens. Es geht um ein Objekt des Rüstungsindustriekomplexes: eine staatliche Struktur, die unter den Bedingungen des umfassenden Krieges Teil der Produktions- und Logistikinfrastruktur der Armee ist. Die Eroberung ihrer Ländereien — selbst nur auf dem Papier — schafft Rechtskonflikte hinsichtlich der Nutzung der Grundstücke und könnte möglicherweise den Bau, die Erweiterung oder die Ausstattung von Kapazitäten erschweren.
Bemerkenswert ist auch das Timing: Die Registrierungsmaßnahmen sind auf Februar 2022 datiert — genau in jenem Monat, als der Staatsapparat unter Schock durch die Invasion stand und die Aufmerksamkeit der Kontrollbehörden von den Registrierungsregistern maximal abgelenkt war.
Vorwürfe
- Unerlaubte Handlungen mit Informationen in automatisierten Systemen (Grundbuchregister)
- Amtsfälschung oder Beihilfe dazu — durch die Verwendung von Dokumenten mit Fälschungsmerkmalen
- Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft der Region Ternopil unter prozessualer Leitung durchgeführt
Der Beamte des Stadtrats wurde über den Verdacht informiert. Derzeit ist unklar, ob die Personen ermittelt wurden, die die gefälschten Dokumente eingereicht haben, und ob es Verdächtige unter den Begünstigten der privaten Strukturen gibt, auf die das Vermögen registriert wurde.
Falls die Ermittlung beweist, dass der Registrator nicht unabhängig handelte, sondern im Interesse eines bestimmten Auftraggebers des Schemas — könnte die Strafsache auf eine organisierte Gruppe ausgeweitet werden. Bislang wurde aber öffentlich nur eine Person genannt.