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«Dynastie» unter Arrest: Wie Mittel aus «Energoatom» in Villen in Kosyne umgewandelt wurden

Das Nationale Agentur zur Bekämpfung der Korruption (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsprokuratatur (SAP) haben Verdachtsanzeigen gegen sechs Teilnehmer des Schemas „Midas: Dynastie" eingereicht – darunter der ehemalige Vizepremierminister Tschernischow und der Geschäftsmann Mindisch. Den Ermittlungen zufolge sollten 460 Millionen Hrywnja Schwarzgeld in fünf privaten Residenzen in der Nähe von Kyjiw für die höchsten Staatsbeamten materialisiert werden.

Tetiana Suchkova-Ladik

Von Tetiana Suchkova-Ladik

12. Mai 2026 · 3 Min. Lesezeit

«Dynastie» unter Arrest: Wie Mittel aus «Energoatom» in Villen in Kosyne umgewandelt wurden
Працівник НАБУ (Фото: пресслужба бюро)

Von „Energoatom" bis zum Landhaus in Kozyn: So funktioniert das Schema

Das NABU und die Staatsanwaltschaft haben sechs Mitgliedern einer organisierten Gruppe vorgeworfen, Vermögen in besonders großem Umfang legalisiert zu haben. Darunter sind der ehemalige Vizepremierminister Alexei Tschernischow (in den Materialien der Causa als „Che Guevara" bezeichnet) und der Geschäftsmann Timur Minditch (Rufname „Karlson"). Der Vorwurf erfolgt gemäß Art. 3 des Art. 209 StGB: Geldwäsche mit aus Straftaten stammenden Mitteln.

Dies ist bereits die dritte Stufe der Vorwürfe in dieser Causa innerhalb von 24 Stunden. Einen Tag zuvor erhielt der ehemalige Leiter des Präsidentenbüros Andrej Jermak einen ähnlichen Vorwurf – in den NABU-Aufnahmen wird er als R2 bezeichnet. Insgesamt gibt es in dem Projekt vier codierte Eigentümer von Residenzen: R1, R2, R3 und R4, plus ein gemeinsames Objekt R0 mit Spa, Schwimmbad und Fitnessstudio.

„Andrej hat die Fassaden, Tschernischow hat alles, zwischen dir und Vova ein Zaun"

— Timur Minditch, NABU-Audioaufnahme über die Aufteilung der Residenzen in Kozyn

Die Ermittlungen behaupten: Die Finanzierungsgrundlage war „schwarzes" Bargeld aus Korruptionsschemata im staatlichen „Energoatom" – Rückzahlungen von 10–15% der Unternehmenskontrakte. Das Geld wurde durch den persönlichen Assistenten von Tschernischow und Personen aus Minditchs Umfeld weitergeleitet. Das Gesamtvolumen der Geldwäsche beträgt nach Angaben des NABU über 460 Millionen Hrywnia (~9 Millionen Dollar).

Chronologie: vom Grundstück zur „Wäscherei"

  • 2018 – Tschernischow wurde Gründer der GmbH Bloom Development.
  • Sommer 2019 – Bloom Development kauft über 4 Hektar Land vom Kozyn-Dorfrat.
  • November 2019 – Tschernischow wird Leiter der Kiewer Gebietsverwaltung; seinen Anteil überschreibt er auf seine Ehefrau.
  • Mai 2020 – Tschernischow übernimmt die Leitung des Ministeriums für die Entwicklung von Gemeinden. Im selben Monat entstand die Idee zu „Dynastie", einen Monat später schloss sich Minditch dem Projekt an.
  • Februar 2022 – Nach Beginn der vollumfänglichen Invasion stoppt der Bau nicht: Tschernischow fordert Schichtarbeit.
  • 2024 – Die Beteiligten begannen, Mittel durch den Kauf gefälschter Dokumente zu legalisieren; die Gebühr für die Dienstleistung betrug 15,5–16,5%.
  • Juli 2025 – Nach ersten Vorwürfen wurde beschlossen, den Bau stillzulegen.
  • November 2025 – Das NABU kündet die Operation „Midas" an und führt Durchsuchungen durch.
  • Mai 2026 – Vorwürfe gegen Jermak und sechs weitere Teilnehmer des Schemas.

Was beschlagnahmt wurde und was verschwiegen wird

Das Spezialgericht für Korruptionsfälle ordnete auf Antrag des NABU und der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme von Grundstücken und fünf unfertigen Bauobjekten in Kozyn an. Nachdem die Causa in die Medien gelangte, versuchten die Verdächtigen, Vermögenswerte vor möglicher Beschlagnahme zu verbergen – doch das Gericht sperrte diese. Die Ermittlungen dokumentierten auch einen Versuch, Druck auf einen NABU-Experten auszuüben: Deshalb wurde ein separates Strafverfahren eingeleitet.

Tschernischow erhält bereits den zweiten Vorwurf vom NABU: Im Juni 2025 wurde ihm die Annahme unzulässiger Vorteile vorgeworfen (Art. 4 des Art. 368 StGB) – dies ist ein separater Fall. Jermak antwortete auf die Vorwürfe, dass er „nur ein Auto und eine Wohnung" besitze. Der Präsidentenberater Dmytro Lytwynenko sagte, dass „dieser Kontext schon lange existiert" und er „nicht überrascht" sei.

Ein Vorwurf ist kein Urteil. Alle Verdächtigen gelten bis zur Gerichtsentscheidung als unschuldig. Dennoch wirft die Struktur der Causa bereits jetzt eine konkrete Frage auf: Falls das Spezialgericht bestätigt, dass Rückzahlungen aus „Energoatom" die Landhäuser für Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld des Präsidenten finanzierten – reicht es dann für die Gesellschaft aus, wenn es nur zu einem Strafverfahren kommt, oder entsteht der Bedarf nach einer systematischen Prüfung der Verträge des Staatsunternehmens in den Jahren 2019–2024?

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