Stubb als Verhandlungsführer für Europa: Sybiga — «dafür», aber das Format existiert noch nicht
Der ukrainische Außenminister bezeichnete den finnischen Präsidenten als angesehenen Diplomaten, der in der Lage ist, mit Russland zu verhandeln. Allerdings sind weder das Mandat noch die Bedingungen für die Beteiligung Europas am Friedensprozess bislang geklärt.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
25. Mai 2026 · 2 Min. Lesezeit
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha unterstützte die Kandidatur des finnischen Präsidenten Alexander Stubb als möglichen europäischen Vertreter bei Friedensverhandlungen mit Russland. Doch hinter dieser Unterstützung steht kein konkreter Mechanismus.
Was Sybiha sagte
Bei einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit der Anführerin der belarussischen Opposition Swetlana Tichanovskaja bewertete der Außenminister den finnischen Präsidenten ohne diplomatische Vorbehalte.
«Er ist ein starker Politiker, ein starker Diplomat. Angesehen, der die Fähigkeiten hat, um ein solches Kaliber von Vermittler zu sein».
Andrij Sybiha, Außenminister der Ukraine
Gleichzeitig präzisierte Sybiha: Die Frage der europäischen Beteiligung am Verhandlungsprozess — Form, Zeitrahmen, Schwerpunkt der Bemühungen — befindet sich noch in der Diskussionsphase. Die Zustimmung zu einem Kandidaten und das Vorhandensein eines Mandats sind zwei verschiedene Dinge.
Warum Stubb ins Zentrum der Diskussion geriet
Am 24. Mai lehnte Stubb in einem Interview mit dem finnischen Sender Yle die Rolle eines europäischen Verhandlungsführers faktisch nicht ab. «Wenn gefragt — das ist wohl etwas, auf das man nicht negativ antworten kann», sagte er. Wie der Kyiv Independent berichtet, steht hinter dieser Aussage eine breitere Diskussion: Die von Amerika vermittelten Verhandlungen stocken, und Kiew sucht eine neue Rolle für Europa.
Schon am 11. Mai erklärte Sybiha in einem Gespräch mit Politico, dass die Ukraine Europa auffordert, sich am Prozess der Waffenstillstandsvereinbarung auf Flughäfen zu beteiligen. «Wir brauchen wahrscheinlich eine neue Rolle Europas bei unseren Friedensbemühungen», zitiert die Publikation den Außenminister. Stubb — ehemaliger Premierminister und Außenminister Finnlands — ist also eine Person mit echtem diplomatischen Leistungsnachweis, keine symbolische Figur.
Zum Vergleich: Putin schlug am 9. Mai seine eigene Version eines «europäischen Mediators» vor — Gerhard Schröder. Das Angebot zeigt beredt, wen Moskau am Verhandlungstisch sehen möchte.
Kontext der Verhandlungen: drei Runden ohne Durchbruch
Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz hatten die Ukraine und Russland bereits mehrere Runden direkter Verhandlungen in Istanbul durchgeführt — zum ersten Mal seit 2022. Nach Angaben des britischen parlamentarischen Analyse-Zentrums dauerte die erste Runde weniger als zwei Stunden und führte zu keinem Durchbruch: Putin entsandte eine niedrigrangige Delegation, anstatt selbst zu erscheinen, wie Selenskyj versprochen hatte. Die zweite Runde am 2. Juni endete mit dem Austausch von Memoranden — der Inhalt wurde von keiner Seite offiziell veröffentlicht.
Stubb, trotz seiner Bereitschaft zur Teilnahme, stellte eine klare Bedingung: Friedensverhandlungen sind nur möglich, wenn sich Russland zum Waffenstillstand verpflichtet. Russland setzt seine umfangreichen Raketen- und Drohnenanschläge auf ukrainische Städte fort — was selbst eine Antwort auf diese Bedingung ist.
- Stubb schloss die Rolle des Verhandlungsführers öffentlich nicht aus — 24. Mai, Yle
- Sybiha nannte ihn «angesehen» und dazu fähig — ohne Präzisierung des Mandats
- Format der europäischen Beteiligung: nicht definiert
- Bedingung Stubbs: Waffenstillstand seitens Russlands als Voraussetzung
- Position Moskaus: Schröder statt Stubb
Wenn Kiew wirklich eine neue Rolle Europas in den Verhandlungen will — der nächste Schritt ist nicht verbale Unterstützung für einen Kandidaten, sondern ein abgestimmtes Mandat der EU. Das gibt es noch nicht. Die Frage ist, ob es auftauchen wird, bevor das Istanbul-Format endgültig in einer Sackgasse endet.