Helsing HX-2 traf 15 von 17 Zielen in Litauen – während die ukrainischen Bestellungen eingefroren sind
Während der Übung Project Flytrap 5.0 in Litauen testeten amerikanische und britische Militärs die deutsche Angriffsdrohne HX-2 des Unternehmens Helsing unter Bedingungen aktiver elektronischer Kriegsführung. Das Ergebnis: 15 zerstörte Ziele. Hintergrund ist die Aussetzung von Kampfeinsätzen von der Front.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
10. Juni 2026 · 3 Min. Lesezeit
Die Trainingsübung Project Flytrap 5.0 fand vom 30. April bis 19. Mai auf dem Truppenübungsplatz Pabradė in Litauen statt — etwa 30 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt. Formal ist dies Teil der umfassenderen Übungen Saber Strike 26, aber faktisch das bislang größte NATO-Testgelände für die Erprobung von Drohnenabwehrsystemen unter realen elektronischen Störbedingungen.
Was wurde getestet und wie
Die Haupteinheit — das 2. Geschwader des 2. Kavallerie-Regiments der US-Armee — führte Drohnenabwehraufgaben erstmals auf Geschwaderebene statt auf der Ebene einzelner Untereinheiten durch. Neben den Amerikanern nahmen britische Fallschirmjäger des 3. Regiments und Verbündete aus Australien teil. Insgesamt testeten die Teilnehmer über 50 Technologien von Rüstungsunternehmen — Radaranlagen, Hochfrequenzstörsysteme und kinetische Abfangsysteme.
Von allen Systemen erregte die HX-2 des Münchner Unternehmens Helsing die meiste Aufmerksamkeit. Nach Angaben von Axios ist in den eigenen Videoaufzeichnungen der US-Armee mindestens ein HX-2-Einsatz dokumentiert, und auf einem separaten Foto beugt sich General Christopher Donahue, Kommandeur der US-Armee in Europa und Afrika, über eine Transportkiste der Drohne.
„Die HX-2 wurde zunächst als Kamikaze-Drohne und Drohnenabwehrsystem verwendet. Aber Soldaten, mit denen ich sprach, berichteten, dass sie sie auch als Aufklärungsplattform und als Loiteringmunition einsetzten — dank ihrer Fähigkeit, Ziele mit bordeigenen Sensoren zu finden und zu verfolgen, selbst bei elektronischen Störungen"
— Alex Miller, Cheftechnologe der US-Armee, Axios
Ergebnisse: Was die Zahlen zeigen
Bei 200 Gesamteinsätzen während der Übungen führten Helsing-Drohnen 17 Kampfepisoden durch. Bilanz: 15 zerstörte Ziele und zwei Treffer in unmittelbarer Nähe. Entscheidend ist: Alle wurden in einer Umgebung aktiver elektronischer Störung durchgeführt, die die reale Front simulierte.
Das ist genau das technische Verkaufsargument der HX-2: Die bordgestützte KI ermöglicht es der Drohne, ohne kontinuierliche Signalverbindung zu operieren — selbstständig Ziele zu suchen, erneut zu identifizieren und anzugreifen, selbst bei Signalverlust. Reichweite: bis zu 100 km, maximale Geschwindigkeit: 220 km/h, maximales Startgewicht: 12 kg.
Litauen — nicht das erste, aber ein besonderer Testplatz
Project Flytrap ist eine Serie von Übungen, die General Donahue bereits in früheren Versionen initiierte. Ziel ist kein Labortests, sondern die Überprüfung unter „schmutzigen" Bedingungen: wenn sich eine Einheit auf dem Marsch befindet, nicht auf einer statischen Basis.
„Wir transformieren uns, um Angriffsbewegungen in einer von Drohnen und elektronischer Kriegsführung gesättigten Umgebung zu ermöglichen"
— Gen. Christopher Donahue, Kommandeur USAEUR-AF
Flytrap 5.0 ist offiziell in die Eastern Flank Deterrence Initiative eingefügt — NATOs Konzept für Bodenoperationen, das die digitale Architektur verschiedener Länder verbindet, um Zielerfassung und -bekämpfung zu beschleunigen.
Der Schatten der ukrainischen Front
Die litauischen Ergebnisse wirken überzeugend — aber es gibt einen erheblichen Gegenpunkt. Anfang 2026 berichtete Bloomberg, dass die Ukraine zusätzliche HX-2-Bestellungen nach Fronttests eingestellt hat. Laut Quellen des Mediums schafften es bei Tests durch das 1. Separate Zentrum für unbemanntes Luftfahrtsystem nur 25% der Drohnen zu starten. Zu den dokumentierten Problemen gehörten instabile Videoübertragung, eingeschränkte Zielerfassungsfähigkeiten und die Tatsache, dass einige beworbene KI-Komponenten in dem tatsächlichen Produkt fehlten.
Helsing bestritt diese Schlussfolgerungen und behauptete, sie basierten auf einem nicht überprüften internen Dokument und „es ist noch zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen". Stand November 2025 lagerten laut Bloomberg etwa 40% der in die Ukraine gelieferten HX-2 in Lagern.
- Bestellung 2024: Vertrag über 4.000 Einheiten in Koproduktion mit einem ukrainischen Partner
- Februar 2025: Helsing kündigte weitere 6.000 HX-2 für die Ukraine an — Berlin bestätigte die Finanzierung nicht
- Januar 2026: Die Ukraine stoppte neue Bestellungen wegen technischer Mängel
- Mai 2026: Erfolgreiches Testen bei Flytrap 5.0 in Litauen mit amerikanischen und britischen Streitkräften
Axios sieht die Teilnahme der HX-2 an Flytrap 5.0 als potenzielles Signal für Helsings Eintritt auf dem amerikanischen Markt und als Symptom einer umfassenderen europäischen Rüstungserneuerung.
Die Frage, die den tatsächlichen Wert des litauischen Erfolgs bestimmen wird: Wird Helsing die HX-2-Charakteristiken unter echten elektronischen Störbedingungen an der ukrainischen Front bestätigen — und wird Kiew die Bestellungen erneuern, bevor die US-Armee ein eigenes Beschaffungsverfahren einleitet.