Metro 2039: Ukrainisches Studio schreibt die Apokalypse nach 2022 um – und sammelt eine Million Wunschlisten in zwei Wochen
4A Games zeigte auf dem Xbox Games Showcase erstes vollwertiges Gameplay von Metro 2039 und bestätigte den Release im Februar 2027. Die Geschichte handelt von einer faschistischen Diktatur in der Moskauer U-Bahn. Dahinter steht ein Studio, das sein Spiel nach der russischen Invasion in die Ukraine überarbeitete.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
10. Juni 2026 · 2 Min. Lesezeit
Als 4A Games im April 2026 Metro 2039 ankündigte, fiel die Reaktion selbst für die Entwickler überraschend aus: eine Million Wunschlisten auf Steam und anderen Plattformen — in zwei Wochen. Zum Vergleich: Das Metro Exodus von 2019 baute ein solches Publikum deutlich langsamer auf. Auf dem Xbox Games Showcase zeigte das Studio fast drei Minuten Gameplay, die direkt im Spiel aufgenommen wurden, und nannte ein konkretes Datum: Februar 2027.
Ein neuer Antagonist und altes Trauma
Das Spiel führt den Spieler zurück in die Tunnel der Moskauer Metro — vier Jahre nach den Ereignissen von Metro Exodus. Der Hauptcharakter, bekannt nur als „Der Fremde", leidet unter Albträumen und muss sich dem Neureich stellen — einer faschistischen Diktatur, angeführt von Hunter: einem ehemaligen legendären Sparta-Ranger, der sich selbst zum Führer ausgerufen hat. Propaganda, Angst und autoritäre Kontrolle — eine Kulisse, die das Studio nicht zufällig gewählt hat.
„Alles, das wir für den nächsten Teil von Metro geplant hatten, änderte sich" — nach dem Beginn der großangelegten russischen Invasion der Ukraine.
John Bloch, ausführender Produzent von 4A Games
4A Games wurde 2005 in Kiew gegründet. Nach 2014 zog das Hauptquartier nach Malta, doch die meisten Mitarbeiter blieben in der Ukraine. Als die großangelegte Invasion im Februar 2022 begann, verwarf das Studio komplett seinen ursprünglichen Plan und schrieb das Drehbuch um — zusammen mit Dmitry Glukhovsky, dem Autor der ursprünglichen Romane, der im Exil lebt, nachdem er Putins Regime offen kritisiert hatte.
„Wir haben diese neue Geschichte zusammen erschaffen, vereint durch gemeinsame Werte von Freiheit und Wahrheit, geformt durch eine harte Realität".
Offizieller Brief von 4A Games an die Community
Was im Trailer gezeigt wurde
- Gameplay in geschlossenen Tunneln — die Rückkehr zur klaustrophobischen Atmosphäre nach der offenen Welt von Exodus
- Das Bild von Hunter: Propaganda, Statuen, die Uniform des Neureichs als „faschistische Verzerrung" der ikonischen Sparta-Rüstung
- Psychologischer Horror als Grundlage — Co-Regisseur Pavlo Ulmer betonte, dass das Team die Postapokalypse „nicht romantisiert"
- Plattformen: PS5, Xbox Series X|S, Steam, Epic Games Store
Eine Million Wunschlisten — wie viel Geld ist das?
Analysten der Spielindustrie betrachten die Geschwindigkeit des Aufbaus von Wunschlisten als primären Indikator für Kaufabsichten am Release-Tag. Nach ihren Schätzungen hat Metro 2039 die Chance, Exodus-Verkäufe beim Start zu übertreffen. Der genaue Preis wurde noch nicht bekannt gegeben, aber selbst bei einem Basispreis von 60–70 Dollar — eine Konvertierung von nur 20% der Wunschlisten in Verkäufe — würde das 12–14 Millionen Dollar allein in der ersten Woche bedeuten. Für ein Studio, das seit 2022 unter Kriegsbedingungen arbeitet, ist das mehr als nur eine Handelsstatistik.
Die Frage, die das Schicksal des Projekts bestimmen wird: Wird 4A Games bis Februar 2027 das Team in der Ukraine halten können, das tatsächlich der Träger dieser Erfahrung ist — und wird sich das persönliche Trauma des Studios in ein Spiel verwandeln, das die Welt zweimal spielen möchte.