Nova Post in Polen: Nicht Postautomaten, sondern Menschen – und das ist eine bewusste Strategie gegen InPost
Das Unternehmen wird sein Netzwerk 2026 fast verdreifachen, wird aber keine Automaten bauen, sondern Partnerpunkte in Cafés und Service-Stationen errichten. Dahinter stecken konkrete Logik und konkretes Risiko.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
10. Juni 2026 · 2 Min. Lesezeit
Auf dem polnischen Kuriermarkt verwaltet InPost über 30.000 Paketautomaten — das ist der Komfortstandard, an den sich lokale Käufer gewöhnt haben. Nova Post wählt bewusst einen anderen Weg: nicht Automaten, sondern echte Servicepoints an Orten, die Menschen ohnehin aufsuchen.
Im Jahr 2026 plant das Unternehmen, etwa 300 neue Paketannahmestellen und Mini-Filialen (PUDO) in Polen zu eröffnen — und damit von 122 Standorten auf fast 422 Punkte zu wachsen. Laut Jakub Karon, CEO von Nova Post in Polen, im Interview mit Wiadomości Handlowe, befinden sich unter den Locations Cafés, Service-Center, Gastronomiebetriebe und Gesundheitseinrichtungen.
80% der Kunden sind Ukrainer, aber das Ziel ist der polnische Markt
Karon ist ehrlich zum aktuellen Stand: 80% der Nova-Post-Kunden in Polen sind Ukrainer, 90% der Sendungen gehen entweder von der Ukraine nach Polen oder umgekehrt. Doch positioniert sich das Unternehmen nicht als Nischenbetreiber für die Diaspora, sondern als Anwärter auf einen Platz in den Top Ten des polnischen KEP-Marktes (Kurier-, Express- und Postdienste).
«Wir wissen, dass unser Marktanteil in Polen derzeit klein ist und dass dies ein enger Markt ist. Gleichzeitig verändert sich seine Struktur ein wenig — derjenige, der das Volumen kontrolliert, bestimmt, was wohin fährt»
Jakub Karon, CEO von Nova Post in Polen, Wiadomości Handlowe
Bemerkenswert ist, dass Karon der erste polnische Manager in der Nova-Post-Europe-Struktur ist: Zuvor waren alle Leiter der europäischen Niederlassungen Ukrainer. Das Unternehmen erklärt dies mit der Notwendigkeit, die Erfahrung der Muttergesellschaft mit Kenntnissen des lokalen Marktes zu verbinden.
Warum PUDO und nicht Paketautomaten
Der Unterschied zwischen den beiden Formaten ist praktischer Natur. PUDO erfordert, dass der Kunde eine Sendung im Voraus über die App oder Website erstellt; Mini-Filialen nehmen das Paket direkt vor Ort an, ohne vorherige Registrierung. Nova Post plant, die PUDO-Funktionalität schrittweise auf das Niveau von Mini-Filialen zu erweitern.
Paketautomaten in Polen plant Nova Post nicht zu bauen — das ist eine bewusste Absage vom Wettbewerb mit InPost auf deren Terrain. Stattdessen setzt das Unternehmen auf grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Polen und der Ukraine, wo es eine ungenutzten Nische sieht, sowie auf die Nachfrage durch ukrainische Unternehmen, die zusammen mit Menschen nach Polen gekommen sind.
Allegro als Katalysator
Im Juni 2026 startet der polnische Marktplatz Allegro ein Logistik-Tool für Lieferungen in die Ukraine — und Nova Post wurde als strategischer Partner ausgewählt. Die erste Phase ist geschlossene Tests mit mehreren hundert der größten polnischen Verkäufer, danach eine Skalierung auf alle verifizierten Seller. Für Nova Post bedeutet das nicht nur Volumen, sondern Legitimation auf dem polnischen Markt durch eine Partnerschaft mit dem lokalen E-Commerce-Marktführer.
- 122 Standorte derzeit: 30 eigene Filialen, 16 Franchise-Standorte, 31 Mini-Filialen, 45 PUDO
- ~300 neue Standorte für 2026 geplant
- +30% Wachstum internationaler Sendungen für 2026 im gesamten Netz von Nova Post Europe budgetiert
Falls Allegro tatsächlich im Juni 2026 in der Ukraine startet und Nova Post die Logistik bereitstellt, erhält das Unternehmen ein grenzüberschreitendes Volumen, das ausreicht, um über 400 Standorte in Polen ohne Dominanz auf dem lokalen Markt zu rechtfertigen. Falls der Start sich verzögert — könnte sich das Modell der Partner-Filialen ohne eigene Terminal-Infrastruktur bei niedrigem innerpolnischen Verkehr als zu teuer erweisen.