39 Verstöße — und trotzdem im System: Was Bolt nach dem Tod von vier Personen in Kiew geändert hat
Ein Bolt-Fahrer, der am 5. Juni in eine Unterführung in Karawajewyje Datschen fuhr und vier Menschen tötete, hatte 39 registrierte Verkehrsverstöße. Die Plattform war sich keines einzigen bewusst – und ändert nun die Regeln, basierend auf Passagierbeschwerde anstelle von staatlichen Datenbanken.
Von Tetiana Suchkova-Ladik
10. Juni 2026 · 2 Min. Lesezeit
Am 5. Juni kam es zur Stoßzeit auf der Karavayevi Datchi in Kiew zu einem Unfall, als ein Mercedes-Benz in einen unterirdischen Fußgängerübergang fuhr. Vier Menschen kamen ums Leben, im Auto befand sich eine Passagierin von Bolt. Der Fahrer — der 49-jährige Pavlo Pleshyvtsev aus der Region Cherson — war zum Zeitpunkt des Unfalls nüchtern und hatte einen aktiven Account auf der Plattform.
39 Verstöße, von denen Bolt nichts wusste
Nach Angaben der Verkehrspolizei wurden gegen Pleshyvtsevs Auto 39 Verkehrsregelverstöße registriert — überwiegend Geschwindigkeitsüberschreitungen, davon 18 allein im Jahr 2024. Seit Anfang 2025 wurde er fünfmal zur Verwaltungshaftung wegen Geschwindigkeit herangezogen. Bolt wusste nichts davon.
Die Plattformen haben keinen automatischen Zugriff auf staatliche Datenbanken über Verkehrsverstöße und Verwarnungsgelder von Fahrern aufgrund fehlender technischer Integration.
— Bolt Ukraine
Das ist weder eine Entschuldigung noch eine Ausnahme. Der Geschäftsführer von Bolt in der Ukraine, Sergij Pavlyk, nannte dies ein systemisches Problem der gesamten Ridesharing-Industrie: Uber, Uklon und andere Dienste arbeiten unter denselben Bedingungen. Die Plattformen überprüfen Dokumente bei der Registrierung, danach aber im Blindflug.
Was Bolt nach der Tragödie änderte
- Pleshyvtsevs Konto wurde dauerhaft gesperrt — unmittelbar nachdem die Umstände des Unfalls bekannt wurden.
- Ab sofort ist eine Beschwerde von zwei Fahrgästen über Geschwindigkeitsüberschreitung oder gefährliche Fahrweise Grund für eine dauerhaften Sperrung.
- Das Unternehmen verspricht, die vorherige Überprüfung zu verstärken: gründlichere Überprüfung von Dokumenten, Fahrerfahrung und Verstoßhistorie vor der Zulassung zur Plattform.
- Bolt führt Gespräche mit staatlichen Behörden über einen Mechanismus, der den Plattformen Zugang zu aktuellen Daten über Verkehrsverstöße in Echtzeit ermöglichen würde.
Die Fahrgastin, die sich während des Unfalls im Auto befand, überlebte. Das Unternehmen bleibt mit ihr in Kontakt und unterstützt sie bei der Inanspruchnahme notwendiger Hilfe.
Wo die Lücke bleibt
Die neue Zwei-Beschwerde-Politik ist ein Filter basierend auf Fahrgastbewertungen und nicht auf objektiven Daten. Ein Fahrer mit 39 Verstößen hätte jahrelang Menschen befördern können, ohne dass eine Beschwerde in der App eingereicht wurde, wenn Fahrgäste diese nicht hinterlassen oder mit Verzögerung hinterlassen hätten. Solange die Integration mit staatlichen Registern nicht funktioniert — hängen die Plattformen von der Aufmerksamkeit der Kunden ab, nicht von einem System.
Die Frage ist nicht, ob Bolt den nächsten Pleshyvtsev nach einem Unfall sperren wird — es wird gesperrt. Die Frage ist, ob die technische Integration mit dem Register der Verkehrssünder vor dem nächsten Unfall erfolgt, und nicht danach.